| JOHANNA "DIE WAHNSINNIGE" 6.11.1479 - 12.4.1555 |
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Johanna oder, wie ihr kastilisches Volk sie nannte, Juana la Loca wurde als drittes Kind von Isabella der Katholischen von Kastilien und León und Ferdinand II. von Aragón und Neapel-Sizilien geboren. Ihre königlichen Eltern waren die Wegbereiter für den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht im 16. Jahrhundert. Durch ihre Heirat im Jahre 1469 machten sie aus Spanien, das bisher aus vielen kleinen, rivalisierenden Herrschaftsbereichen bestanden hatte, ein vereinigtes Königreich. 1495 verhandelten Isabella und Ferdinand mit Maximilian I. über Johannas Verheiratung sowie über die ihres Bruders Juan. Als Heiratsobjekte bot der Kaiser seine beiden Kinder Philipp und Margarete an. Natürlich sollten diese Ehen aus rein politischen Gründen geschlossen werden. Karl VIII. von Frankreich hatte nämlich das Königreich Neapel erobert, das dem spanischen Haus Aragón gehörte. Johannas Vater, Ferdinand II. von Aragón, wollte nun zusammen mit Maximilian I. gegen diesen französischen Erzfeind der burgundischen und spanischen Königshäuser in den Kampf ziehen. |
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Im September/Oktober 1496 traf Johanna in der Heimat ihres Mannes, den Niederlanden, ein.
Die Trennung von zu Hause fiel ihr nicht sonderlich schwer. Sie vergötterte ihren Vater
zwar, dafür aber haßte sie ihre Mutter um so mehr. Von ihren Zeitgenossen wurde die mittlerweile 16-jährige Prinzessin als die Schönheit in ihrer Familie beschrieben. Sie wies eine zarte Figur auf, hatte ein schmales Gesicht, lange Hände, blondes Haar und sehr eng stehende grüne Augen. Zusätzlich galt sie als leidenschaftlich, sinnlich, sehr sensibel, verschlossen, launenhaft, aufbrausend und scheu. Sie besaß eine sehr schnelle Auffassungsgabe und wurde für sehr intelligent gehalten. |
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Bereits wenige Monate später wurde Johanna zur Erbin des spanischen Königreiches, das neben Kastilien-León, Aragón und Neapel-Sizilien mittlerweile auch die westindischen Kolonien beinhaltete. 1501, nach der Geburt ihrer Tochter Isabella, begab sie sich zusammen mit ihrem Gatten auf die Reise nach Kastilien. Hier in Spanien erfolgten Johannas erste Anfälle von Nervenschwäche, verbunden mit Ohnmachten und Wahnvorstellungen. Nur Philipp konnte sie dann beruhigen. Als Philipp am 19.12.1502 wieder abreiste und Johanna, die im siebten Monat schwanger war, in diesem Zustand nicht mitnehmen wollte, da der Heimweg direkt durch feindliches Gebiet führte, fiel diese in eine schwere Depression. Trotzdem brachte sie1503 einen gesunden Sohn, Ferdinand, auf die Welt. In der Folgezeit steigerte sich Johannas Eifersucht und sie wurde wirklich unberechenbar. Schließlich umgab sie sich nur noch mit maurischen Sklavinnen, die aus Spanien kamen und die entstellt waren, um Philipp durch ihre Hofdamen nicht in Versuchung zu bringen. Zudem saß sie stundenlang, tagelang in dunklen Räumen, verharrte dort unbeweglich und völlig in sich selbst zurückgezogen. Im September 1505 erließ Philipp von Brüssel aus die Weisung, daß die Inquisition in Kastilien einzustellen sei. Johanna, die als Kind des öfteren von ihrer Mutter gezwungen worden war, Verbrennungen von angeblichen Ketzern beizuwohnen, hatte ihren Gatten wohl dazu überredet. Auch ihre feindliche Einstellung gegenüber der Kirche ist aus diesen Kindheitserlebnissen zu erklären. Philipp ergriff schließlich gegen die polizeilichen und gerichtlichen Befugnisse der Inquisition einschränkende Maßnahmen, womit er sich bei dieser Institution natürlich keine Freunde machte. Nachdem Johanna am 1505 ihr fünftes Kind auf die Welt
gebracht hatte, begab sich das junge Herzogspaar nach Kastilien. Dort verschied Philipp
jedoch bereits am 23.9.1506 im Alter von 28 Jahren in den Armen seiner Gattin, nachdem er
nach einem hitzigen Ballspiel - andere Quellen sprechen nur von einem Kartenspiel - einen
kühlen Trunk zu sich genommen hatte. Fünf Tage lang versuchte Johanna vergeblich, mit
aufopfernder Pflege ohne Rast und Ruh das Leben ihres Mannes zu retten. Mit ihm verlor sie
schließlich den einzigen Menschen, der ihr Liebe und Kraft zum Weiterleben geben konnte.
Vier Monate nach dem Tod ihres geliebten Mannes brachte sie noch ihr letztes Kind Katharina 1507 auf die Welt. 1509 veranlaßte Ferdinand II. die Gefangensetzung von Johanna und deren jüngstem Kind im festungsartigen Schloß von Tordesillas bei Valladolid, um seine Tochter als potentielle Herrscherin auszuschalten. Johanna, die fortan unter strenger Aufsicht stand, blieb jedoch von Rechts wegen Königin. In ihrem Namen wurden sämtliche Entscheidungen getroffen, Gesetze erlassen und Urteile gefällt. Sie wartete 48 Jahre, bis der Tod sie von ihren Leiden
befreite. In der Zwischenzeit verwahrloste sie in ihrem Schloßgefängnis. Nicht einmal
die lebensnotwendige Pflege wurde ihr zuteil. So verlauste sie, wechselte nicht mehr ihre
Wäsche, kämmte sich nicht mehr und schlief auf dem Fußboden. |
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