DIE HERZGRUFT


Gnadenbild, Loretokapelle
Gnadenbild, Loretokapelle


1624 hatte Kaiserin Eleonora, die zweite Gattin Kaiser Ferdinands II., in der Hofpfarrkirche St.Augustin eine Loretokapelle gestiftet (Loretokult).
Die Maße der Capella Lauretana entsprachen den Originalabmessungen der Casa Sancta in Loreto (Italien) von 9,25 x 4,1 Meter bei einer Höhe von ca. 5 Meter. Damit nahm die Kapelle fast das gesamte Mittelschiff ein.
Nach Art orientalischer Häuser bestand die Kapelle aus Bruchsteinen, die Mauern waren unverputzt. Im Inneren befand sich ein umgehbarer Altar und in der dahinterliegenden Mauernische eine Marienstatue mit dem Jesuskind aus Zedernholz.
1627 wurde die Kapelle geweiht, und bald darauf das Gnadenbild der Maria Lauretana aufgestellt.
150 Jahre lang diente die Loretokapelle als zweite Hofkapelle und Privatheiligtum des Hofes.

Die Loretokapelle wurde zur Herzgruft, als der junge König Ferdinand IV. bestimmte, dass man sein Herz "unnser Lieben frawen Maria zu Loreto unter ihre füeß legen und begraben solte".
Bis dahin waren die Herzen der Verstorbenen in St.Stephan oder die Urnen mit dem Leichnam zusammen im Sarg bestattet worden.


Ürsprüngliches Herzgrüftl in der alten Loretokapelle

  
Ürsprüngliches Herzgrüftl in der alten Loretokapelle


Im Fußboden zwischen dem Altar und der Mauernische mit der Muttergottesstatue wurde eine kleine, mit Marmor ausgekleidete Gruft angelegt. Sie war ca. 40cm tief, eine eiserne und darüber eine mamorne Platte bildeten den Verschluss.
Insgesamt wurden 21 Herzurnen in ihr bestattet.

Nach der Klosteraufhebung von 1784 wurden die Loretokapelle und die Herzgruft in eine Seitennische der Georgskapelle verlegt. 
Bis zum Bau der heutigen Herzgruft 1802 wurden die Herzurnen in einem versiegelten Kasten aufgehoben.