| DAS ATTENTAT |
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Am 10.September 1898 wurde Kaiserin Elisabeth in Genf von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni ermordet. Die 60jährige Monarchin wurde an der Uferpromenade des Genfersees das zufällige Opfer des Anarchisten, der kurz nach der Tat, auf die er sehr stolz war, verhaftet wurde. Lucheni wurde am 10.November zu lebenslanger Haft verurteilt und erhängte sich 1910 in seiner Zelle. Obwohl die Kaiserin inkognito unter dem Pseudonym "Gräfin von Hohenembs" an den Genfer See gereist war, meldete eine Zeitung, dass sie im Hotel "Beau Rivage" abgestiegen sei. Diese Meldung entschied über ihr Leben, da Lucheni eine "große Tat" vorhatte. Sein ursprüngliches Opfer war der Prinz von Orléans, der aber nicht wie geplant nach Genf gekommen war. So trat Elisabeth an seine Stelle, einzig aus dem Grund, weil sie Aristokratin und so prominent war, dass seine Tat ungeheures Aufsehen erregen würde. Lucheni wollte gefasst werden, er wollte auch sein Todesurteil, nicht aus Reue, sondern als Zeichen für den Anarchismus. Er wusste nicht, dass er Elisabeth mit seinem Attentat einen Wunsch erfüllt hatte: Weit weg von ihren Lieben, schnell und schmerzlos den Tod zu finden. Gräfin Irma Sztâray, die Hofdame der Kaiserin, schilderte dem Untersuchungsrichter kurz nach dem Attentat das Ereignis: "...Beim Hotel de la Paix, wo drüben auf der anderen Straßenseite Kutscher mit ihren Wagen stehen, kam ein Mann auf uns zu. Unmittelbar vor uns schien er plötzlich zu straucheln. Er machte eine Bewegung mit der Hand. Ich glaubte, um sich beim Stolpern aufrecht zu halten. Mehr habe ich in der Sekunde nicht wahrgenommen. Ich wäre bereit gewesen zu schwören, daß er nichts in der Hand hatte. Gar nichts. Die Kaiserin sank zur Erde. Völlig lautlos. Da erst kam mir der Gedanke, daß dieses Scheusal Ihre Majestät geschlagen haben mußte. Das war gewiß schlimm. Aber Schlimmeres konnte ich auch noch nicht ahnen.... ´Es ist mir nichts geschehen´, antwortete die Kaiserin ruhig.... Wir erreichten die Anlegestelle. Auf der Gangway, die zum Dampfer hinüberführte, ging die Kaiserin noch leichten Schrittes vor mir her. Kaum hatte sie jedoch das Schiff betreten, sagte sie mit erstickender Stimme ´Jetzt ihren Arm! Schnell, bitte!´ Ich konnte sie nicht halten, ihren Kopf an meine Brust pressend, sank ich mit ihr in die Knie. ´Einen Arzt, einen Arzt!´ schrie ich. Die Kaiserin lag totenbleich in meinen Armen... Sie öffnete die Augen und lag einige Minuten mit umherirrendem Blick da. Dann setzte sie sich langsam mit meiner Hilfe auf. ´Was ist denn mit mir geschehen?´ fragte sie. Das waren ihre letzten Worte! Unmittelbar danach sank sie wieder in Bewußtlosigkeit. Ich öffnete ihr Bluse und das Seidenmieder, um ihr Erleichterung zu verschaffen. Als ich die Bänder auseinanderriß, sah ich auf dem Batisthemd darunter einen dunklen Fleck in der Größe eines Silberguldens. Ich schob das Hemd beiseite und entdeckte in der Herzgegend eine kleine Wunde. Ein Tropfen gestocktes Blut klebte an ihr. In diesem Augenblick stand die lähmende Wahrheit vor mir. Die Kaiserin war erdolcht worden." Nach der Autopsie wurde folgendes Kommuniqué herausgegeben: Bei der Untersuchung der a.h. Leiche weiland Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth, welche im Beisein des k.und k. Gesandten Grafen Kuefstein, des .......stattgefunden hat, wurde eine circa achteinhalb Zentimeter lange Stichwunde konstatiert, welche an der vierten Rippe die Brustwand durchdringt, durch die Lunge und das ganze Herz hindurchgeht und eine starke innere Blutung hervorgebracht hat, durch welche der Tod allmählich und schmerzlos herbeigeführt wurde. Elisabeths Leiche wurde im Hotel "Beau Rivage" aufgebahrt. Am 11.September ging aus Wien der Hofsonderzug nach Genf ab, der die sterblichen Überreste der Kaiserin einholen sollte. Am 14.September wurde der Sarg unter reger Anteilnahme der Bevölkerung vom Hotel zum Bahnhof gebracht. Um 10Uhr abends am 15.September erreichte der Zug mit der toten Kaiserin den Westbahnhof. Der Trauerkondukt führte über die Mariahilferstrasse und erreichte um 11Uhr die Hofburg. Am nächsten Tag wurde Elisabeth in der Kapuzinergruft bestattet. |